Ein Bärenherz für Bärenherz

12BFB spendet EUR 330 aus Verkaufserlös ihrer selbst gefertigten Snacks

Die Stiftung Bärenherz pflegt Kinder mit lebensverkürzenden Erkrankungen ambulant wie stationär und unterstützt deren Familien praktisch und psychologisch, auch über den Tod hinaus. Mit speziell geschulten Kinderärzten, Pflegekräften, Therapeuten, Pädagogen und Seelsorgern, unterstützt von ehrenamtlichen Helfern und dem Therapiehund Emma, ermöglicht die Stiftung eine individuelle Be­gleitung der kleinen Patienten und erfüllt ihnen ihre letzen Wünsche. So wollte zum Beispiel eine Sechsjährige noch unbedingt eingeschult werden, und tatsächlich kam ein Schulleiter mit einer Leh­rerin, um das Mädchen an seinem Sterbebett einzuschulen, wie Nadine Mader von Bärenherz berichtete. Die Wiesbadener Stiftung unterhält drei Einrichtungen und finanziert ihre Leistungen für Patienten und deren Angehörige zum allergrößten Teil aus Spenden; nur ein geringer Teil des Bedarfs von circa zwei Millionen EUR/a wird von den Kranken- und Pflegeversicherungen getragen. Öffentli­che Mittel stehen nicht zur Verfügung.

Was also liegt näher, als sich für eine solche Organisation zu engagieren, sie bei der umfassenden Versorgung todkranker Kinder und deren Angehörige finanziell zu unterstützen? Genau das dachten sich die Schülerinnen und Schüler der 12BFB mit ihrer Lehrerin Stefanie Bertasius, als sie im Lernfeld 17 „Planen, Durchführen und Nachbereiten von Veranstaltungen“ das Projekt „Länderbasar – Gemeinsam sind wir stark“ aus der Taufe hoben. „Wir haben uns für Bärenherz entschieden, um auf diese Organisation aufmerksam zu machen. Denn wenn man weiß, wofür sich Bärenherz alles einsetzt, lernen wir Jungen das Leben erst wieder wertzuschätzen“, begründete Stefan Dimitrievski die Entscheidung.

In mehreren Unterrichtsstunden entwarf die Klasse das Konzept und den Ablauf der Veranstaltung. „Es hat Spaß gemacht, gemeinschaftlich zu planen. In der Planungsphase haben wir Checklisten und Ablaufpläne über das „wo“, „wann“, „was“ sowie eine Tagesordnung erstellt, Veranstaltungsziele formuliert, Werbeplakate entworfen, Einladungen an die Lehrer und Klassen verfasst, ländertypische Gerichte zusammengestellt, festgelegt, wer die Fahnen, Tischdecken, Teller und das Besteck mitbringt“, erläuterte Michelle Grimm und Sandro Cardoso Soares ergänzte: „Als Klasse zusammen über einen längeren Zeitraum an einem Projekt zu arbeiten, das ist toll. Dabei auch noch Kindern helfen zu können, auch wenn es nur eine kleine Unterstützung ist, gibt einem ein gutes Gefühl.“

Und am 4. Oktober war es dann soweit: Während der ersten und zweiten Pause boten die Schülerin­nen und Schüler der 12BFB typische Spezialitäten aus elf Ländern vor dem Kiosk der Schulze-De­litzsch-Schule an. In der Kategorie ‚herzhaft‘ waren afghanische Bolani, elsässischer Flammkuchen, türkische Couscous und italienische Focaccias zu haben. Für die Freunde der Süßspeisen gab es russische Karamellkekse, montenegrinische Bombice, marokkanische Ghribia, rumänische Dobostorte, portugiesische Queijadas und ukrainische Paska. Alle Snacks waren garniert mit der jeweiligen Nationalflagge und einem Steckbrief zu dem Land.

In den Verkaufspausen informierte Nadine Mader von Bärenherz über die Aufnahmevoraussetzun­gen und die Aufgaben beziehungsweise Leistungsangebote der Einrichtung. Während der Vorträge war es „(…) mucksmäuschenstill. Die Schülerinnen und Schüler waren total ergriffen“, berichtete Stefanie Bertasius. Leah Schön war beindruckt, dass „die Kinder bodenständige Wünsche haben, die von Herzen kommen. Am meisten hat mich das Beispiel mit dem Wunsch nach Einschulung ergriffen“. Und Soumiya Ouakil fand: „Es ist sehr mitnehmend, wenn Kinder sterben. Aber Bärenherz hilft über den Tod hinaus. Bei ihnen gibt es in der Betreuung keine begrenzte Zeit.“ Stefan Dimitrievski bewertete: „Obwohl der Vortrag sachlich war, hat er einen emotional sehr gepackt. Jetzt weiß ich, wo das Geld hingeht. Hinzu kommt, dass Bärenherz sich größtenteils über Spenden finanziert.“

Der Verkaufsstand war ein Magnet während der Pausen, die Snacks wurden restlos verkauft. Dank des hohen Andrangs konnten EUR 330 erlöst werden, deutlich mehr als erwartet. Hinzu kommt ein Betrag, der in plombierten Spendendosen der Stiftung Bärenherz gesammelt wurde und noch von der Bank ausgezählt werden muss.

Das Projekt war ein doppelter Erfolg. Alle, die verkauft, gekauft oder gespendet hatten, haben be­wiesen, dass sie ein großes Herz, ein Bärenherz für die Patienten und die Arbeit von Bärenherz besitzen. Und Dank der Vorträge von Nadine Mader wurde allen wieder ein Stück Nachdenklichkeit und Empathie nähergebracht.

In diesem Sinn erfolgte das Statement von Stefanie Bertasius: „ Lernen mit und von der Praxis hat mir mit diesen engagierten jungen Menschen sehr viel Spaß gemacht“.

Nach den Ferien wird die Klasse 12BFB das Geld an Bärenherz persönlich überreichen. Im Rahmen der Veranstaltungsnachbereitung wurde die Klasse eingeladen, das Hospiz in Wiesbaden zu besu­chen.

Was bleibt zu sagen? Das Projekt war eine großartige Idee und hat gezeigt, wie man aus dem päda­gogischen Kontext Aufgaben sozialer Fürsorgeeinrichtungen kennenlernen kann; die Umsetzung war brillant und die Zielsetzung der finanziellen Unterstützung wurde in bemerkenswerter Weise er­reicht.

Der Klasse 12BFB und Stefanie Bertasius sei für diese beeindruckende Veranstaltung herzlich ge­dankt. Prädikat: „Zur Nachahmung empfohlen“.

(Petra Hilbert)

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